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Wer steuert die KI?

vor 6 Tagen
3 Min. Lesezeit

KI wird in Unternehmen genutzt, sobald sie Mitarbeitenden bei konkreten Aufgaben hilft. Die organisatorische Frage lautet deshalb nicht mehr nur, ob KI eingesetzt wird. Entscheidend ist, wer den Einsatz verantwortet, welche Fähigkeiten zentral bereitgestellt werden und welche Leitplanken für den jeweiligen Anwendungsfall gelten.


Eine repräsentative IW-Befragung aus dem Frühjahr 2026 zeigt: 29,1 Prozent der Beschäftigten, die KI beruflich nutzen, greifen auch auf Tools zurück, die ihr Arbeitgeber nicht bereitgestellt hat. Das belegt nicht automatisch eine heimliche oder verbotene Nutzung. Es zeigt aber, dass betriebliche Angebote und Regeln mit der tatsächlichen Nutzung Schritt halten müssen.


Dieser Beitrag betrachtet die Aufbauorganisation: Rollen, Zuständigkeiten und ihre Zusammenarbeit. Der konkrete Ablauf eines KI-Anwendungsfalls – von der Idee über Prüfung und Freigabe bis zu Betrieb, Überwachung und Abschaltung – ist die Ablauforganisation. Sie muss das hier beschriebene Modell in verbindliche Arbeitsschritte übersetzen und ist ein eigenes Gestaltungsthema.



Zentral, dezentral oder gemischt?

Prozess- und Fachkenntnis liegen meist in den Fachbereichen. Plattform, Sicherheitsstandards und KI-Fachwissen müssen dagegen nicht mehrfach aufgebaut werden. Ein Mischmodell verbindet beides: zentral bündeln, was gemeinsam gebraucht wird, und die Verantwortung dort belassen, wo die Arbeit stattfindet.


Modell

Stärke

Herausforderung

Einordnung

Zentral

Einheitliche Plattform und Standards; leichter zu kontrollieren

Fachbereiche warten auf Unterstützung; zentrale Einheit kann zum Engpass werden

Sinnvoll für den Start und für besonders sensible Anwendungen

Dezentral

Nah am Prozess; schnelle Erprobung und hohe Beteiligung

Doppelarbeit, unterschiedliche Qualität und schwer überschaubare Risiken

Kann bei klaren Mindeststandards und ausreichender Kompetenz funktionieren

Gemischt

Gemeinsame Leitplanken und Plattform; Umsetzung nah am Prozess

Erfordert klare Zuständigkeiten und gute Übergaben

Pragmatisches Zielbild, das sich mit der Reife weiterentwickeln lässt


Ein mögliches Zielbild: zentral steuern, gemeinsam befähigen, vor Ort verantworten

Das Mischmodell verteilt Aufgaben, nicht die Verantwortung für Ergebnisse. Das Kompetenzzentrum kann Standards entwickeln, Plattformen betreiben und Teams unterstützen. Für den Nutzen und die Folgen eines KI-Einsatzes bleibt der zuständige Fachbereich verantwortlich.


Abbildung 1. Zielbildentwurf, stark abhängig vom Einzelfall.


Autonomie bestimmt die Aufsicht, das Risiko die Tiefe der Prüfung

Eine praktikable Einteilung sollte nicht so tun, als ließe sich das gesamte Risiko eines KI-Einsatzes an einer einzigen Stufe ablesen. Die Autonomie beschreibt, wie selbstständig ein System handelt und wo Menschen eingreifen. Wie streng geprüft und abgesichert werden muss, hängt zusätzlich von den Folgen eines Fehlers, den verwendeten Daten und den eingeräumten Rechten ab.

Risikodimension

Prüffrage

Was bei höherem Risiko wichtig wird

Autonomie

Erzeugt das System nur Antworten, oder führt es Schritte und Aktionen selbst aus?

Engere Berechtigungen, Freigaben für folgenreiche Aktionen und wirksame Eingriffsmöglichkeiten

Auswirkungen

Was passiert, wenn die Antwort oder Aktion falsch ist?

Stärkere fachliche Prüfung, Tests, Rückfalllösung und klare Eskalation

Daten

Greift die Anwendung auf personenbezogene, vertrauliche oder schützenswerte Daten zu?

Datenminimierung, Zugriffsbegrenzung sowie Datenschutz- und Sicherheitsprüfung

Rechte und Reichweite

Kann das System externe Nachrichten senden, Transaktionen auslösen oder weitere Systeme verändern?

Begrenzte Rechte und Budgets, Protokollierung, Überwachung und Abschaltmöglichkeit


Die folgenden vier Stufen sind eine vereinfachte Arbeitslogik für diesen Beitrag und Unternehmens. Sie beschreiben vor allem die Autonomie und ersetzen keine Risikoprüfung. Ein Einsatz mit sensiblen Daten oder großen möglichen Auswirkungen braucht zusätzliche Schutzmaßnahmen – auch dann, wenn ein Mensch jeden Schritt anstößt.

Abbildung 2. Vereinfachte Autonomiestufen (eigene Darstellung; zur Abstufung von Agenten-Autonomie vgl. Feng et al. 2025). Die Prüftiefe richtet sich zusätzlich nach Auswirkungen, Daten und Zugriffsrechten.


Die Stufe wird für den konkreten Einsatz festgelegt, nicht für einen Produktnamen. Dasselbe Werkzeug kann je nach Konfiguration, Datenzugriff und ausgelösten Aktionen unterschiedlich viel Autonomie haben. Vor einer Neuentwicklung sollte außerdem geprüft werden, ob es bereits einen passenden, freigegebenen Assistenten oder Agenten gibt. Ein zentrales Verzeichnis macht Einsätze, Verantwortliche und Zugriffe auffindbar.


Fazit

Eine tragfähige KI-Organisation verbindet zentrale Leitplanken mit dezentraler Prozessverantwortung. Sie ordnet Zuständigkeiten eindeutig zu und koppelt die Aufsicht an Autonomie und die tatsächlichen Folgen des Einsatzes. Damit können Mitarbeitende KI breit und sicher nutzen, während die Organisation den Überblick über wichtige Anwendungen und ihre Verantwortung behält.


Fragen Sie sich: Wer verantwortet bei Ihnen KI-Einsätze in den Fachbereichen? Wo liegen zentrale Standards? Und welche Assistenten und Agenten sind überhaupt im Einsatz, und worauf greifen sie zu?


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Quellen

 
 
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